Projekt für verbesserte Krebserkennung: FH Münster forscht mit Partnern an Innovationen für die medizinische Bildgebung

Münster/Steinfurt (29. Januar 2019). Ärzte, Naturwissenschaftler, Ingenieure, technische Assistenten, IT-Spezialisten aus dem Raum Münster und den Niederlanden. Sie alle arbeiten im neuen Projekt „InMediValue“ zusammen – gegen Krebs. Auf vielfältige Art und Weise: Sie entwickeln neuartige Techniken rund um medizinische Bilder wie beispielsweise Röntgen-Aufnahmen, die für den konkreten Einsatz im Krankenhaus bestimmt sind. Und dabei beachten sie immer die gesamte Wertschöpfungskette. Akzeptiert die Patientin die Untersuchung in der Brustkrebsvorsorge besser? Kann die Ärztin bei der Befundung durch künstliche Intelligenz unterstützt werden? Wie kann der Chirurg im OP den Tumor schneller auffinden?

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Prof. Dr. Karin Mittmann (Foto: FH Münster/Pressestelle)

„Der Charme an dem Projekt liegt im konkreten medizinischen Bedarf in Kombination mit einem motivierten interdisziplinären Konsortium aus Anwendern, Herstellern und Entwicklern“, findet Prof. Dr. Karin Mittmann von der FH Münster, die „InMediValue“ initiiert hat und federführend betreut.

Der Projekttitel steht für „Innovations in medical imaging value chains“, und umfasst drei ineinander verschachtelte Teilprojekte. Das erste Vorhaben wird viele Frauen aufhorchen lassen, die sich jährlich der Brustkrebsvorsorge stellen, genauer gesagt der Mammographie. „Das Projektteam entwickelt ein Produkt für eine Komfortverbesserung der Patientin bei der Aufnahme, mit dem der notwendige Druck individuell angepasst werden kann. Gleichzeitig soll damit die Bildqualität verbessert werden“, erklärt Mittmann.

Um die Auswertung von medizinischen Bildern geht es im Teilprojekt Nummer zwei. Dabei kommt Künstliche Intelligenz zum Einsatz: Ein Programm soll auf Röntgenbildern kleinste Tumoren auffinden. Es soll zukünftig diagnostizieren können, ob der Tumor bösartig ist oder nicht. Eine große Anzahl medizinischer Aufnahmen aus den Niederlanden und Deutschland fließen in das Programm, damit es selbstständig lernt, Muster zu erkennen. Es spürt Mikrokalzifizierungen auf, also Verkalkungen in der Brust im kleinsten Bereich.

Das dritte Projekt bringt jede Menge Innovationspotenzial mit sich: Hier sollen zwei Detektionsmöglichkeiten miteinander kombiniert werden. „Genauer gesagt wollen wir einen Marker entwickeln, welcher sowohl magnetisch als auch optisch detektiert werden kann“, erklärt Mittmann. Bislang werden entweder magnetische Nanopartikel oder Farbstoffe zur Lokalisierung des Tumors im OP eingesetzt. „Beide Methoden haben ihre Vor- und Nachteile“, erklärt Mittmann. „Die magnetische Detektion arbeitet recht grob, dringt dafür tief ins Gewebe. Das optische Verfahren mit dem Endoskop liefert ein genaues Bild, geht aber nicht durch viele Gewebeschichten.“

Die Medizintechnikerin macht keinen Hehl daraus, dass es eine Herausforderung sein wird, einen Marker zu entwickeln, der mit zugelassenen Medizingeräten lokalisiert werden kann. Aber ist das geschafft, ließen sich beispielsweise Lymphknoten im OP genauer erkennen als jetzt, vor allem der für die Brustkrebs-Operation wichtige Wächterlymphknoten. Falls sich bereits Metastasen gebildet haben, ist der Wächterlymphknoten nämlich zuerst betroffen. Ist er aber gesund, hat der Krebs in keinem anderen Lymphknoten gestreut. Aktuell ist es so, dass in einer Operation mehrere Lymphknoten entfernt und untersucht werden müssen, weil man nicht ganz genau erkennen kann, welcher der Wächterlymphknoten ist. Das schädigt das Lymphsystem der Patientin aber mehr als nötig und der operative Eingriff ist aufwendiger.

Das grenzüberschreitende, interdisziplinäre Projekt mit einer Laufzeit von drei Jahren wird im Rahmen des INTERREG V Programms mit mehr als 2,3 Millionen Euro gefördert. 20 Personen sind grenzüberschreitend involviert, diese sind tätig für die Unternehmen Screenpoint Medical BV aus Nijmegen, Sigmascreening BV aus Enschede, Cysal GmbH aus Münster, TAFH Münster GmbH sowie für das EUREGIO Biotech Center der FH Münster in Steinfurt, das Institut für Klinische Radiologie des Uniklinikum Münster (UKM) und das MIRA-Institut der Universität Twente in Enschede.


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