Herzensangelegenheit: Kardiologie Face-off

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Mit modernen Softwarepaketen für die Bildnachbearbeitung lassen sich Strukturen automatisiert erkennen und segmentieren. Selbst komplexe Befunde sind in weniger als 10 Minuten erkannt.

Vom 22. bis 24. Februar fanden in Leipzig die zehnten Kardiodiagnostiktage statt. Die Tagungsleiter und allen voran Prof. Matthias Gutberlet, Leiter der Abteilung für Diagnostische und Interventionelle Radiologie am Herzzentrum Leipzig, informierte die Teilnehmer über die neuesten wissenschaftlichen und technischen Entwicklungen in der Kardiodiagnostik.

Da Radiologie Magazin auf technische Entwichklungen fokussiert ist, stand der Besuch der Kardiologie Face-off-Sessions für Bildnachberbeitungsarbeitsplätze im Vordergrund des Interesses der Kardiodiagnostiktage in Leipzig. Auf dem Programm standen 2 mal 60 Minuten jeweils für CT und MR, um die Performance der Workstations unterschiedlicher Hersteller zu beurteilen. Dabei gilt der gesamte Respekt den Repräsentanten der Unternehmen, die sich bereit erklärten, unter Zeitdruck das Leistungsvermögen der eigenen Softwarepakete zu demonstrieren.

Kardiologie Face-off: CT Analyse-Software

Für die Beurteilung der Performance der unterschiedlichen Softwarepakete bekamen die Teilnehmer des Face-off folgende zwei Aufgabenstellungen, die sie innerhalb von 10 Minuten zu erledigen hatten:

1. Fall

62-jähriger Mann

Jetzt: —> V.a. KHK bei intermediärer Vortestwahrscheinlichkeit (59%)

Anamnese: Seit 12 Monaten progrediente, eher in Ruhe auftretende Thoraxschmerzen bis zu 12 h andauernd, Myokardszintigrafie fraglich positiv im Bereich der Vorderwand

Risikofaktoren: art. HTN, HLP, +FA

2. Fall

86-jähriger Mann mit hochgradiger Aortenklappenstenose (AS III)

—> Evaluation TAVI (inklusive Koronararterien)

„ … Patient im Alltag noch gut körperlich aktiv… – Gartenarbeit – keine AP, keine Typsnoe…“

—> Herz-CT und CT der gesamten Aorta zur TAVI-Evaluation

 

Für die erforderliche Live-Evaluation galt es folgende Auswertungen durchzuführen und deren Ergebnisse zu präsentieren:

1. Fall

Calciumscoring – Wert

3D VRT 360° in 10°-Schritten

,curvedMPRs’ LAD, RCx, RCA 360° in 10°-Schritten

—> relevante Stenose?

2. Fall

Aortenanulus: effektive Diameter (flächen- und perimeterbasiert)

Periphere Gefäßachse: mit min. Diameter

Preprocessed: Koronarostien: LCA und RCA

—> Angulation Anulus (LOA x° und CRAN x°)

,curvedMPRs’ LAD, RCx, RCA 360° (10°-Schritte)

—> relevante Stenose

Ergebnis

Zu den Ergebnissen bleibt nicht viel mehr zu sagen als, dass alle Teilnehmer beide Fälle vollumfänglich bearbeiten, darstellen und mit geringfügig unterschiedlichen Messergebnissen belegen konnten. Die Referenten von GE, Philips, Siemens, TeraRecon und Canon präsentierten kompetent und nachvollziehbar sämtliche Anforderungen der Sitzungsleitung. Den Systemen der unterschiedlichen Hersteller lag dabei natürlich die Bedienphiliosphie der jeweiligen Softwareapplikationen zugrunde. Die Ergebnisse wurden also oftmals auf unterschiedlichen Wegen und mit unterschiedlicher grafischer bzw. tabellarischer Darstellung erzielt.

Kardiologie Face-off: MR Analyse-Software

Während in der CT-Session fünf Unternehmen gegeneinander antraten, wagten sich bei den MR-Workstations sechs Hersteller an den Start: Circle (wird von GE eingesetzt), Medis, Neosoft, Philips, Siemens und TeraRecon.

Auch hier zwei Aufgaben, aber aufgrund des zusätzlichen Herstellers lediglich 7 Minuten Zeit pro Unternehmen.

1. Fall (KHK) – Regadenoson-Stress:

75 Jahre alter Mann mit 2-Gefäß-KHK, Z.n. subakutem STEMI

Jetzt: Langstrecken verschlossene RCA und LAD, mittleres Drittel

Frage an CMR: Vitalität, Stresssinduzierte Ischämie?

Cave: I. Untersuchung wurde abgebrochenen vor Stresss

II. Regadenoson-Stress 3-Tage später

2. Fall

19 Jahre alte Patientin mit Z.n. TOF-Korrektur-OP bekannte PI II°

—> Indikation für CMR:

Beurteilung LV/RV-Funktion, Volumina und Muskelmasse

CMR-Flussmessung zur Bestimmung RF-PK und Qp/Qs

 

Für die erforderliche Live-Evaluation galt es folgende Auswertungen durchzuführen und deren Ergebnisse zu präsentieren:

Fall 1

vollmetrische Analyse des LV PM exkludiert*:

—> LV-MM ⦗g⦘, LV-EF ⦗%⦘, LV-EDV ⦗ml⦘, LV-ESV ⦗ml⦘

—> Menge LGE ⦗g⦘ / ⦗%LVMM⦘ – präevaluiert

—> Größe Ödem ⦗g⦘ / ⦗%LVMM⦘ – präevaluiert

(optional Parameter Bilder T1-T2-Map)

Fall 2

Flussmessung in PA und Aorta Aszendent

—> Kalkulation der Regurgitationsfraktion  ⦗%⦘ in Aorta und PA

—> Qp/Qs aus SV/Herzschlag

-> RV-/LV-EF ⦗%⦘ – präventionaluiert

Optional: Vodeorekonstruktion und Vorführung 4D-Flow.

Ergebnis

Auch hier lagen die Face-off-Teilnehmer sehr nahe beieinander und haben sich – wie bei den CT-Workstations – lediglich in der Bedienphilosophie und den grafischen Darstellungen unterschieden. Hervorzuheben war die Performance von Circle, die als einziges Unternehmen auch in der Lage waren die Fleißaufgabe ,Videorekonstruktion und Vorführung 4D-Flow’ zu lösen.

Fazit

Face-offs sind eine hervorragende Idee! Wobei es wohl kaum lediglich darum gehen kann einzelne Hersteller besonders hervorzuheben bzw. andere besonders zu kritisieren, da eine Präsentation unter Zeitdruck doch noch von wesentlichen anderen Parametern beeinflusst werden kann. Trotzdem vermitteln derartige Live-Präsentationen den Zuhörern einen sehr guten Überblick, um sich zu orientieren, welchen Leistungsumfang die modernen Workstations zur Bildnachbearbeitung bieten.

Maßgeblich zum Gelingen der beiden Face-offs trug natürlich die Kongress-/ bzw. jeweilige Sitzungsleitung bei, die jederzeit absolute Unabhängigkeit, Souveränität und Gelassenheit ausstrahlte.

Klasse. Zwei absolut gelungene Sessions!

Guido Gebhardt

 

Radiologie Blog

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