Künstliche Intelligenz und Digitaler Humanismus

Kein Tag vergeht an dem nicht mindestens einmal über Künstliche Intelligenz gesprochen wird. Oft ist die Rede davon, dass wir Menschen bald unseren Hobbys frönen können, während Kollege Computer/Roboter unsere Arbeit erledigt.

Zu sehr steht oftmals die Technik im Vordergrund. Es wird bewundert, was machbar ist, Gedanken zur Sinnhaftigkeit bleiben eher im Hintergrund. Zu selten wird darüber gesprochen ob es mit den ethischen Grundsätzen einer Gesellschaft vereinbar ist.
In privaten oder geschäftlichen Unterhaltungen wird schon mal über die Standardfrage geschmunzelt, wenn es wieder ums autonome Fahren und ein unabwendbares Ausweichmanöver geht: „Wird die alte Frau überfahren oder steuert das Auto in eine Gruppe von Kindergartenkindern?“
Hinter dem, was meist als Lappalie abgetan wird, stecken zahlreiche ethische Fragestellungen, die unsere bisherigen Gesellschaftsstrukturen bis aufs Mark erschüttern können. Kann es sein, dass das Leben von Kindern mehr Wert hat als das Leben einer alten Frau? Wer übernimmt die Verantwortung, falls es zu einem Prozess kommt? Wird der Informatiker, der den Programmcode geschrieben hat, angeklagt oder schiebt man die Schuld auf die Maschine? Wenn man die Schuld so einfach auf eine Maschine schieben kann? Hat die Maschine dann auch Rechte? Wie kann man eine Maschine juristisch vertreten? Wie sehen eventuelle Strafen aus? Können künstlich intelligente Maschinen Reue zeigen? Und so weiter.

Die Ingenieure und Wissenschaftler der großen Think-Tanks werden gebraucht – kein Zweifel! Auch wenn die Gesellschaft der technischen Entwicklung hinterherhinkt, braucht es zwingend eine Diskussion darüber, welche Aufgaben an Maschinen mit selbstlernenden Algorithmen übergeben werden können und für welche Tätigkeiten menschliche Kontrolle mit all ihren Emotionen und Intuitionen nötig ist.

Im aktuellen Buch von Julian Nida-Rümelin und Nathalie Weidenfeld geht es genau um diese Fragen. Beiden Autoren gelingt der Brückenschlag zwischen Philosophie und Sience-Fiction in hervorragender Weise, wobei dem Leser die Grundwerte eines Digitalen Humanismus vermittelt werden.

Ganz klare Leseempfehlung für diejenigen, die nicht nur an der Technik der Künstlichen Intelligenz interessiert sind.

Technikverliebtheit und Verantwortungsbewusstsein schließt sich nicht aus!

Guido Gebhardt

PS: Das Buch ist am 4. September imi per-Verlag erschienen.

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