Langzeitschäden durch Streustrahlung lassen sich mit dem Tragen einer Röntgenschutzbrille verhindern

Bleischürzen sind in radiologischen Untersuchungsräumen bereits für das medizinische Personal obligatorisch. Doch ein zusätzlicher Schutz der Augen erfolgt nur vereinzelt, obwohl das neue Strahlenschutzgesetz 2019 die Grenzwerte der Strahlendosis für das Auge stark herabgesetzt hat – von 150 auf 20 Millisievert pro Jahr. Damit wird die Linse nun als besonders gefährdetes Gewebe eingestuft, weshalb das Tragen spezieller Schutzbrillen notwendig wird. Schweren Folgeschäden wie einer dauerhaften Linsentrübung kann so vorgebeugt werden. Aber Brille ist nicht gleich Brille: Einige Modelle halten lediglich die frontal auftreffende Strahlung ab; Streustrahlung, die etwa vom Körper des Patienten reflektiert wird, kann dagegen an den offenen Brillenrändern ungehindert eindringen. Daher sollte die eingesetzte Ausrüstung umfassend dicht und passgenau sein. Die Medical Index GmbH hat mit der MI-PP100 die erste komplett abgeschlossene Röntgenschutzbrille entwickelt. Neben den Gläsern aus Bleiglas, die vor frontaler Einstrahlung schützen, bestehen sämtliche relevanten Komponenten aus speziellen, widerstandsfähigen und überaus leichten Polyamiden, deren Schutzeigenschaften denen von Blei gleichen. 

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Streustrahlung ist kein neues Phänomen: In der Radiologie tritt sie immer dann auf, wenn Röntgenstrahlen auf Flächen im OP oder den Patienten treffen und diese einen Teil – bis zu 20 Prozent – reflektieren. Da die Strahlung in summierter Langzeitdosis schwere Gewebeschädigungen an den Organen verursachen kann, trägt das medizinische Personal Strahlenschutzkleidung oder spezielle Kopfhauben als Strahlenschutz. „Die Augen aber wurden bisher vernachlässigt, obwohl die Sensibilität der Augenlinse gegenüber einer Strahlenexposition als sehr hoch eingestuft wird“, erklärt Dr. Kay Schüßler, Geschäftsführer der Medical Index GmbH. Diese Beobachtung wird im §78 des neuen Strahlenschutzgesetzes 2019 bestätigt, in dem der Grenzwert der Strahlendosis für das Auge von 150 auf 20 Millisievert pro Jahr herabgesetzt wird. 

Ein Grund hierfür sind unter anderem neue Erkenntnisse in Bezug auf die strahleninduzierte Linsentrübung: Bisher galt sie als Spontanschädigung nach Überschreitung eines bestimmten Schwellenwertes. Aber wie die Strahlenkommission bereits 2009 bekannt gegeben hat, kann nicht einfach von einer Dosis ausgegangen werden, unterhalb derer eine Schädigung der Augenlinse eindeutig ausgeschlossen ist. Vielmehr kann die summierte Wirkung selbst kleinerer Dosen ohne Schutz dauerhafte Schädigungen hervorrufen. Zwar fehlen noch Langzeitstudien speziell in diesem Bereich, doch statistische Hochrechnungen unterstützen diese Beobachtung.

Brillen für das gesamte diagnostische Strahlenspektrum 

„Die erhöhte Belastung für das Auge lässt sich vor allem auf die bisher unterschätzte Streustrahlung zurückführen“, erläutert Schüßler. „Das Risiko, beispielsweise eine Katarakt infolge einer kurzen Strahlenexposition zu erleiden, ist bereits bei einer niedrigeren Dosis höher, als bisher angenommen.“ Wird die Strahlung stark von der Umgebung umgeleitet, kann sie selbst durch schmale Spalte dringen – beispielsweise am Gestell oder Bügel einer Brille – oder vom Körper 

des Patienten reflektieren und so zwischen Glas und Jochbein auf das Auge treffen. Um dies zu verhindern, sollte eine Röntgenschutzbrille entsprechend darauf ausgelegt sein, die Augenpartie umfassend zu schützen. Die Brille MI-PP100 der Medical Index GmbH berücksichtigt daher alle Richtungen, aus der die Strahlung die Linse treffen kann. Anders als bei herkömmlichen Schutzbrillen ist der gesamte frontale und seitliche Rahmen mit einem speziellem Strahlenschutzmaterial versehen – also auch die Scharniere und Übergänge zwischen Glas und Gestell. Somit gibt es keine Zwischenräume mehr, durch die Strahlung eindringen kann. Da sie aus bleifreien Kunststoffen besteht, ist sie zudem besonders leicht und für die längere Anwendung geeignet. Sie liegt daher nicht so schwer auf dem Gesicht und kann auch nicht verrutschen, wenn sich der Träger über den Patienten beugt. Aufgrund der durchgängig hohen Abschirmfähigkeit der Kunststoffe sowie der Gläser kann die Brille im gesamten Röntgenspektrum von 50 bis 150 kV eingesetzt werden. Die hohe Chemikalienbeständigkeit der transparenten, thermoplastischen Polyamide verhindert außerdem das Auftreten von Spannungsrisskorrosion – der häufigsten Schadensursache von Kunststoffbauteilen. Dadurch ist das Gestell besonders gegen Bruch und andere Schäden geschützt, sollte die Brille beispielsweise herunterfallen.  

Streustrahleneffekt auf das Auge in der Medizin wenig bekannt

Obwohl es bereits seit längerer Zeit Schutzbrillen gibt, kommen sie in der täglichen Arbeit nach wie vor kaum zum Einsatz: „Dass bereits kleine Strahlendosen eine stärkere Wirkung auf die Augenlinse haben können, ist dem medizinischen Fachpersonal häufig gar nicht bekannt“, berichtet Dr. Schüßler. „Diese Erfahrung konnten wir jüngst erst wieder auf der Medica in Düsseldorf machen.“ Im Gespräch mit Standbesuchern zeigte sich, dass ihnen die Problematik schlichtweg nicht bewusst sei und zudem eine entsprechende Aufklärung fehle. Daher hoffen die Medizintechniker aus Bad Rappenau auf ein schnelles Umdenken in den Fachbereichen. „Mit unserer MI-PP100 steht ein sicherer Begleiter in den radiologischen Untersuchungsräumen bereit“, resümiert Dr. Schüßler.