Neues Strahlenschutzgesetz

Am 5. Dezember wurde die neue Strahlenschutzverordnung veröffentlicht und damit trat am 31.Dezember 2018 das neue Strahlenschutzgesetz vollumfänglich in Kraft – Zeit sich über die Aufgaben und Verantwortung des Medizinphysik-Experten Gedanken zu machen. Laut neuem Strahlenschutzgesetz (§14 Abs. 1 Nr. 2b) ist bei einer Untersuchung mit radioaktiven Stoffen oder ionisierender Strahlung, die mit einer erheblichen Exposition der untersuchten Person verbunden sein kann, ein Medizinphysik-Experte hinzuzuziehen.

Während das neue Strahlenschutzgesetz am 12. Mai 2017 beschlossen wurde, traten erste Teile davon bereits im Oktober 2017 in Kraft. Der wichtigste Aspekt für die Anwendung in der Radiologie ist die Vereinigung von alter Strahlenschutz- und Röntgenverordnung in einem auf höherer Ebene angesiedelten Strahlenschutzgesetz und einer daraus resultierenden umfangreichen neuen Strahlenschutzverordnung. Diese neue Verordnung wurde am 5.12.2018 im Bundesanzeiger veröffentlicht, sodass die verbleibenden Teile des Gesetzes am 31.12.2018 in Kraft treten konnten. Neben zahlreichen weiteren Neuerungen verweist die neue Strahlenschutzverordnung auf Maßnahmen und Regelungen bei Expositionssituationen, die eine erhebliche Strahlenbelastung vermuten lassen. Außerdem ist das Hinzuziehen eines Medizinpysik-Experten zukünftig bei ausgewählten Anwendungen Pflicht. Diese Verpflichtung gilt für bestehende Anzeigen und Genehmigungen ab dem 21.12.2022. Betreiber von Neugeräten sind jedoch schon ab dem 31.12.2018 betroffen.

MPE für Intervention und CT

Unter erheblichen Expositionssituationen versteht das Gesetz Untersuchungen mit ionisierender Strahlung, die mit einem Computertomographen oder mit Geräten zur dreidimensionalen Bildgebung von Objekten mit niedrigem Röntgenkontrast durchgeführt werden, sowie Interventionen, bei denen die Röntgeneinrichtung zur Durchleuchtung verwendet wird, wobei die Tomosysthese derBrust ausgenommen ist. Eine Begriffsbestimmung zur Intervention ist in §1(8) der neuen Strahlenschutzverordnung zu finden. Unter Intervention versteht die Verordnung den Einsatz von Röntgenbildgebungstechniken, um zu medizinischen Zwecken die Einbringung von Geräten und Substanzen in den Körper und deren Steuerung zu ermöglichen. Eine umfassende Beschreibung von Interventionen veröffentlichte aber auch die Strahlenschutzkommission (SSK) bereits 2008 in Heft 56 unter dem Titel ,Interventionelle Radiologie´.

Die Aufgabe des Medizinphysik-Experten besteht darin, die Verantwortung für die Dosimetrie von Personen zu übernehmen und insbesondere bei der Optimierung des Strahlenschutzes vor Ort mitzuwirken. Außerdem soll der MPE laut §132 StrlSchV bei der Auswahl der einzusetzenden Ausrüstung, Geräte und Vorrichtungen mitarbeiten und die Exposition von Personen, an denen radioaktive Stoffe oder ionisierende Strahlung angewendet wird, genauso überwachen wie die Einhaltung der Diagnostischen Referenzwerte. Ebenfalls zu seinem Aufgabenbereich gehört die Untersuchung von Vorkommnissen sowie die Durchführung von Risikoanalysen für Behandlungen und die Unterweisung und Einweisung des in der Anwendung tätigen Personenkreises. Der Verantwortungsbereich des MPE ist groß und er verfügt über weitreichende Kompetenzen. Den Zahlenapparat rund um die angewendete Dosis und die entsprechenden Referenzwerte muss er ständig parat haben, um im Falle eines Falles, bei meldepflichtigen bedeutsamen Ereignissen, die richtigen Konsequenzen zu ziehen. Sinnvoll lässt sich diese Herausforderung wohl nur mit ausreichender technischer Unterstützung, wie beispielsweise einem Dosismanagementsystem, erfüllen.

Weitreichende Kompetenzen

Auf Empfehlung der SSK soll der MPE auch als Strahlenschutzbeauftragter für den medizinisch-physikalischen Bereich eingesetzt werden. Wobei er nicht ständig vor Ort sein muss. §5 Abs. 24 des Strahlenschutzgesetzes stellt an die Ausbildung von Medizinphysik-Experten folgende Anforderungen: Er muss einen Masterabschluss in medizinischer Physik oder einen gleichwertigen Hochschulabschluss nachweisen und über die erforderliche Fachkunde im Strahlenschutz verfügen. Leider müssen mit der Einführung des neuen Strahlenschutzgesetzes auch zahlreiche Fachkundeausbildungen überarbeitet werden. Und für die Sach- und Fachkunde von MPEs gibt es bisher lediglich Empfehlungen der SSK, die Aufgrund des enormen zu erwartenden Bedarfs um vereinfachende Zusatzregeln erweitert wurden. So können Medizinphysiker aus Strahlentherapie und Nuklearmedizin die Fachkunde bereits nach einem 12-monatigen Sachkundeerwerb erlangen. Dies gilt auch für Inhaber einer alten Gesamtfachkunde, wenn keine Sachkunde im Rahmen der Optimierung und Dosimetrie bei CT und Interventionen nachgewiesen werden kann. Außerdem können Teilnehmer eines Mentoren-Programms bereits nach sechs Monaten eigenständige Aufgaben im Betrieb wahrnehmen.

Ausgehend von einer Neuinstallation von etwa 200 CTs und 300 Angiographieanlagen pro Jahr in Deutschland rechnet die DGMP (Deutsche Gesellschaft für Medizinische Physik) mit einem Bruttobedarf von 50 MPEs pro Jahr. Denn bis 2022 gilt das Gesetz lediglich für die Inbetriebnahme neuer Systeme. Trotz aller gesetzlicher Regelungen, die durchaus sinnvoll sind, wie zu Beispiel der Umgang und die Vorgehensweise bei meldepflichtigen bedeutsamen Vorkommnissen bleiben noch zahlreiche Fragen offen. Bisher fehlen beispielsweise noch Information zur neuen Fachkunderichtlinie. Dabei wäre es interessant zu wissen, wie die Behörden die Qualität des Sachkundeerwerbs überprüfen? Auch die Frage zu geforderten Personalschlüsseln für MPEs im Anzeige- und Genehmigungsverfahren bleibt bisher genauso unbeantwortet wie „nach welchen Vorgaben weisen MPEs ihre Leistungen nach?“ oder „wer finanziert die so genannten Mentorenprogramme?“.

Mit dem neuen Strahlenschutzgesetz und der nachgelagerten Strahlenschutzverordnung wurde das gesamte bisher bestehende Regelwerk überarbeitet. Doch es klaffen noch einige Lücken, die es baldmöglichst zu schließen gilt, um erhebliche Expositionen effektiv einzudämmen.

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